Der Kleiderschrank ist ein besonderes Thema. Nicht weil er schwieriger wäre als andere Bereiche des Haushalts – sondern weil er so persönlich ist. Kleidung ist nah. Sie hängt an Körpergefühl, an Erinnerungen, an dem, was man mal war oder noch werden möchte. Und genau deshalb fällt es so schwer, sich von Dingen zu trennen, auch wenn man sie seit Jahren nicht getragen hat.
Wenn der Schrank zu voll ist, um Ordnung zu halten
Kleiderstangen, die sich biegen. Schubladen, die sich kaum schließen lassen. Kleidung, die auf Stühlen liegt, weil im Schrank kein Platz mehr ist. Und trotzdem das Gefühl, „nichts anzuziehen zu haben”.
Dieses Paradox ist real: Wenn zu viel im Schrank hängt, verliert man den Überblick. Man sieht die vielen schönen Stücke nicht mehr – weil zu viele da sind. Man greift immer wieder zu denselben Teilen, weil die anderen so schwer zu erreichen sind oder einfach in der Masse untergehen. Und weil man nicht sieht, was man hat, kauft man immer wieder neu. Der Schrank wird voller. Das Gefühl, nichts anzuziehen zu haben, bleibt.
Drei Stapel, die alles verändern
Der Weg heraus beginnt mit dem Grundprinzip: Jedes einzelne Kleidungsstück muss in die Hand genommen werden. Nicht überflogen, nicht übersprungen, nicht aufgeschoben. Jedes Teil. Und dann fällt eine Entscheidung:
Kann weg – weil es alt, beschädigt oder nie wirklich getragen worden ist. Kann abgegeben werden – weil es in gutem Zustand ist, aber nicht mehr zu Ihnen passt. Muss bleiben – weil Sie es wirklich mögen und wirklich tragen.
Den ersten Stapel entsorgen Sie sofort. Den zweiten bringen Sie so bald wie möglich zu einem Secondhand-Laden, einem Sozialkaufhaus oder einer Sammelstelle. Das ist wichtig: Wenn er zu lange in der Wohnung bleibt, wandert er schleichend wieder in den Schrank zurück.
Was dann noch übrig ist – und das ist bei den meisten Menschen immer noch eine Menge – bekommt seinen Platz. Mit System.
Ein Schrank, der funktioniert
Röcke, Hosen, Jacken, Blusen und Hemden, Kleider: am besten auf Bügeln, jeweils als zusammenhängende Gruppe. Pullover, T-Shirts und Hoodies lassen sich gut stapeln – getrennt nach Sommer und Winter, wobei die aktuelle Saison vorne liegt und die andere hinten. Was hinten liegt, kommt automatisch in den Tausch, wenn die Jahreszeit wechselt.
Ein wichtiger Grundsatz: Nichts hinter Pullovern oder Stapeln verstecken. Was aus den Augen ist, ist aus dem Sinn – und landet nie in einem Outfit.
Was danach kommt: die neue Regel
Ordnung im Kleiderschrank entsteht einmal – und bleibt dann, wenn man eine einfache Regel einhält: Jeden Abend kommt die getragene oder probierte Kleidung zurück an ihren Platz. Und wenn etwas Neues in den Schrank zieht, verlässt dafür etwas anderes die Wohnung.
Das klingt streng. In der Praxis ist es eine enorme Entlastung. Weil der Schrank auf einem Niveau bleibt, das überschaubar ist. Weil man morgens schnell findet, was man sucht. Und weil man endlich wieder sieht, was man alles Schönes besitzt.
Wie das Thema Ordnung in anderen Bereichen Ihres Zuhauses angegangen werden kann – vom Arbeitszimmer bis zur Küche – lesen Sie in den weiteren Artikeln dieser Reihe, zum Beispiel „Wenn das Arbeitszimmer zur Abstellkammer wird” oder „Die Küche im Griff”.
Wenn Sie beim Aussortieren Begleitung möchten – jemanden, der ohne Bewertung dabei ist und mit Ihnen gemeinsam Entscheidungen trifft – schauen Sie auf meine Seite für Privatkunden oder schreiben Sie mir direkt. Der erste Schritt muss kein großer sein. Manchmal reicht es, einmal anzufangen.